Montag, 23 Okt 2017
Zusätzliche Altersvorsorge mit der Riester-Rente
Geschrieben von: FVI-Redaktion   
Sonntag, den 21. Juni 2009 um 09:44 Uhr

Zum 1.1.2002 wurde die staatlich geförderte zusätzliche kapitalgedeckte Altersvorsorge eingeführt - die sogenannte Riester-Rente. Die Förderung besteht aus einer Kombination von Zulagenförderung und Steuerfreistellung in der Ansparphase, verbunden mit der vollen Besteuerung des Alterseinkommens in der Auszahlungsphase. Der nachfolgende Beitrag stellt die Grundzüge kurz dar und zieht viereinhalb Jahre nach Einführung eine Zwischenbilanz.


Förderberechtigung

Die Förderung können grundsätzlich alle Personen beanspruchen, die in einer gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert (hierzu gehören auch ausländische Versicherungen, wenn sie der deutschen gesetzlichen Rentenversicherung vergleichbar sind) bzw. Besoldungsempfänger und in der Bundesrepublik Deutschland unbeschränkt einkommensteuerpflichtig sind.
Wichtig insbesondere bei Auslandsaufenthalten: Diese beiden Voraussetzungen müssen nicht das gesamte Kalenderjahr vorliegen; vielmehr reicht ein Teil des Jahres aus.
Beamte, Richter und Soldaten erhalten die Riester-Förderung nur, wenn sie gegenüber ihrer Besoldungsstelle eine Einverständniserklärung zur Weitergabe ihrer Einkommensdaten an die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) abgegeben haben.

 

Produkte

Voraussetzung für den Erhalt der Förderung ist weiter, dass Sie einen von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zertifizierten Altersvorsorgevertrag (Riester-Vertrag) abschließen. Wesentliches Kriterium eines Riester-Vertrags ist die lebenslange Auszahlung einer Rente. Allerdings ist seit 2005 auch eine Einmalauszahlung in Höhe von bis zu 30% zu Rentenbeginn möglich. Desweiteren können die in der Auszahlungsphase anfallenden Zinsen und Erträge förderunschädlich gesondert ausgezahlt werden. Das geförderte Riester-Vermögen ist vor Pfändung und Anrechnung geschützt (z.B. beim Arbeitslosengeld II). Außerdem garantieren die Anbieter von Riester-Verträgen, dass zu Rentenbeginn mindestens das eingezahlte Kapital (einschließlich der Zulagen) zur Verfügung steht. Nominale Verluste sind somit ausgeschlossen. In Höhe der Zulagen liegt man in jedem Fall nominal im Plus. Man kann Riester-Verträge grundsätzlich in drei Produktkategorien aufteilen: Banksparpläne, private Rentenversicherungen und Fondssparpläne.

Förderung

Die Altersvorsorgezulage (Riester-Zulage) setzt sich zusammen aus der Grundzulage und der Kinderzulage, die für jedes kindergeldberechtigte Kind gezahlt wird. Die Höhe der Zulagen steigt bis zum Jahr 2008 alle zwei Jahre an. Die jeweiligen Beträge sind aus der untenstehenden Tabelle ersichtlich.
Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, den gesamten Altersvorsorgeaufwand im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung als Sonderausgabenabzug geltend zu machen. Ist die Steuerersparnis durch den Sonderausgabenabzug höher als die Zulage, wird die Differenz erstattet. Das Finanzamt führt diese Günstigerprüfung von Amts wegen durch. Die gezahlte Zulage verbleibt auf dem Anlagekonto. Der Sonderausgabenabzug ist auf einen Höchstbetrag von z. Zt. 1.575 Euro begrenzt. Er steigt bis zum Jahr 2008 auf 2.100 Euro.

Verfahren

Die Riesterzulagen müssen über den Anbieter bei der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) beantragt werden. Sie können aber hierzu Ihren Anbieter bevollmächtigen. Die schriftliche Bevollmächtigung kann bereits bei Vertragsabschluss oder im Rahmen des Zulagenantrags erteilt werden und gilt bis auf Widerruf (Dauerzulagenantrag). Der Riester-Sparer muss künftig somit nur dann aktiv werden, wenn sich die persönlichen Lebensverhältnisse ändern (z.B. Geburt eines Kindes, Heirat, Scheidung).
Der zusätzliche Sonderausgabenabzug wird durch Abgabe der Anlage AV mit der Einkommensteuererklärung beantragt.

Eigenbeitrag

Um die volle Förderung zu erhalten ist ein bestimmter Eigenbeitrag erforderlich. Wie hoch dieser Eigenbeitrag ist, ergibt sich aus der nachfolgenden Tabelle.
Erforderlicher Eigenaufwand für maximale Zulage (Jahresbeträge) (Kinderzulagen gelten nur für kindergeldberechtigte Kinder)

 

Mindesteigenbeiträge für maximale Zulagenförderung
Jahr der Förderung 2006/2007 ab 2008
Betrag in Höhe von 3 % 4 %
des maßgebenden Vorjahreseinkommens
höchstens jedoch 1575 € 2100 €
abzüglich Grundzulage 114 € 154 €
abzüglich Kinderzulage(je Kind) 138 € 185 €
mindestens jedoch Sockelbetrag 60 €

 

Wie viel kostet das "Riestern" und was kommt dabei heraus?

Wie die folgenden Beispiele zeigen, ist die Riester-Rente eine lohnende Altersvorsorge. Wenn Sie den Vertrag im gleichen Jahr abschließen, erhalten Sie noch die Förderung für das komplette Jahr. Lassen Sie sich diese Möglichkeit der geförderten Altersvorsorge nicht entgehen und schließen Sie bald Ihren persönlichen Altersvorsorge-Vertrag ab!

Zwei Beispiele (ab 2006)

allein stehend,kinderlos Ehepaar mit 2 Kindern (2 Verträge)
Maßgebendes Vorjahreseinkommen: 25.000 € 30.000 €
davon 3% 750 € 900 €
abzüglich:
Grundzulage 114 € 228 €
Kinderzulage 0 € 276 €
Eigenleistung: 636 € 396 €
Einkommensteuervorteil 98 € 0 €
Gesamtförderung: 212 € 504 €
Förderquote: 28% 56%
Monatl. Eigenleistung zu Beginn 53 € 33 €
Zusätzliche mtl. Rente bei Ansparphase 20 JahreKapitalrendite 4% 158 € 190 €
Zusätzliche mtl. Rente bei Ansparphase 30 JahreKapitalrendite 4% 294 € 352 €
Zusätzliche mtl. Rente bei Ansparphase 40 JahreKapitalrendite 4% 491 € 589 €

 

Annahmen:
Einzahlung beginnt im Jahr 2006, Zinssatz: 4%, Verwaltungskosten: 10% der Einzahlung, Ansparphase: 30 Jahre, Sparbetrag = 3 bzw. 4% des maßgebenden Vorjahreseinkommens, konstantes Einkommen, während der Ansparphase, Auszahlung in Form einer konstanten Rente mit einer durchschnittlichen Laufzeit von rd. 21 Jahren (Unisex Tarif), Ehepaar als Einverdienerhaushalt, beide Partner schließen Riester-Vertrag ab

Die Beispiele zeigen: Es kann sich durchaus lohnen! Die Riester-Rente kann ein interessantes und durchaus lukratives Altersvorsorgeinstrument sein. Nicht vergessen darf man allerdings bei einer Gesamtbetrachtung, dass die späteren Auszahlungen in voller Höhe zu versteuern sind. Es bleibt also weiterhin ein Rechenexempel. Denn wie sagte schon unser Altkanzler: "Wichtig ist, was hinten rauskommt!"

Einheitliche Tarife ab 1.1.2006

Für alle Riesterverträge, die seit dem 1.1.2006 abgeschlossen wurden, sind geschlechtsneutrale Tarife, so genannte Unisex-Tarife, zwingend vorgeschrieben. Bis dahin abgeschlossene Verträge können auf Unisex-Tarife umgestellt werden, wenn beide Vertragsparteien dies freiwillig vereinbaren. Im Regelfall wird sich daher für Altverträge nichts ändern. Die Einführung der Unisex-Tarife wird sich insbesondere auf geförderte private Rentenversicherungen auswirken. In der Praxis wird es zunächst darauf hinauslaufen, dass die bisherigen "Männer-Tarife" auf die bisherigen "Frauen-Tarife" angehoben werden. Für diejenigen Männer, die unbedingt eine Riester-Rentenversicherung abschließen möchten, empfiehlt es sich daher, unbedingt noch in diesem Jahr abzuschließen.
Für den Bereich der geförderten Investmentfonds und Banksparpläne weichen die neuen Tarife nicht wesentlich von den bisherigen Tarifen ab, da sich unterschiedliche Tarife bei Auszahlungsplänen durch die Restverrentung erst ab dem 85. Lebensjahr schon bisher nur geringfügig ausgewirkt haben.

Nicht nur aus diesem Grund spricht sich der Verein zur Förderung der Investmentidee in Deutschland e.V. bei einer Laufzeit von mehr als 10 Jahren eindeutig für das Riester-Produkt Fondssparplan aus.

Fortsetzung folgt im nächsten Heft.

Weiterführende Infos finden Sie unter den folgenden Adressen:

  • www.bmas.bund.de unter dem Themenschwerpunkt "Rente" Unterpunkt "Zusätzliche Altersvorsorge"
  • www.bundesfinanzministerium.de unter dem Punkt "Steuern" Unterpunkt "Alterseinkünfte/Altersversorgung"
  • www.deutsche-rentenversicherung-bund.de unter "Rente" Unterpunkt "Riester-Rente"
  • www.infonetz-altersvorsorge.de
  • www.Altersvorsorge-macht-Schule.de
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    Der Autor:

    Heinz-Josef Nüssgens, Hennef, Dipl.-Finanzwirt
    Oberamtsrat im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Referat "Zusätzliche Altersvorsorge"
    Vorstandsmitglied im Verein zur Förderung der Investmentidee in Deutschland e.V