Montag, 23 Okt 2017
Die Gier war grenzenlos

 gier

Autor: Anne T.

Verlag: ECON

ISBN: 978-3-430-20082-0

Anzahl der Seiten: 240

Preis: 18,-Euro


Schon der reißerische Titel lässt erkennen, dass es sich bei „die Gier war grenzenlos“ keineswegs um ein Sachbuch handelt. Die hinter einem Pseudonym verborgene Autorin schildert ihren eigenen Aufstieg von einer unbeholfenen Newcomerin in den Handelsräumen einer deutschen Grossbank zu einer mit Millionen jonglierenden „Femme Fatale“ der Derivate-Industrie und rundet ihre anonyme Beichte schließlich mit ihrem angewiderten Ausstieg aus der Branche ab. Fast hat es den Anschein, Anne T. wolle dem Leser in ihren Bekenntnissen die Assoziation des Saulus, der zum Paulus wurde, förmlich aufdrängen. Lässt sich der Wahrheitsgehalt auch nicht messen, und mag auch die eine oder andere Übertreibung der Dramaturgie des Buches geschuldet sein; die mehrere Jahre ihres Berufslebens umfassende Autobiographie erlaubt dem Leser mehr als nur einen kurzen Blick in die „Giftküche“ des Derivate-Handels. Sie lässt ihn das Grundprinzip jenes „Luftschlössern“ ähnlichen Modellbaus mit Derivaten verstehen, der die aktuelle Finanzkrise unweigerlich nach sich ziehen musste und zeigt wie Kreditrisiken immer wieder neu verpackt, gehebelt und in Bilanzen verschoben wurden. Das Buch schildert den Tanz um das goldene Kalb des Raubtierkapitalismus. Es zeugt von der Gewinn maximierende Rücksichtslosigkeit zahlreicher Broker, die ihren Bonuszahlungen verpflichtet und in Ermangelung fachlichen Verständnisses übergeordneter Aufsichtsorgane unkontrolliert den Wertpapierhandel in ihr persönliches Spielcasino verwandelt konnten; -wohl wissend, dass die Zeche am Ende weniger ihre institutionellen Kunden, als vielmehr die Endanleger mit ihrem Ersparten zu zahlen hatten.

„Die Gier ist grenzenlos“ ist kurzweilig und fesselnd geschrieben, verzichtet wo möglich auf Fachbegriffe oder erklärt sie zumindest im Anhang. Dass Anne T. das Buch zur Generalabrechnung mit einer von Männern beherrschten Domaine genutzt hat, sollte maskuline Leser von der Lektüre nicht abhalten. Das Buch sei nicht nur jenen empfohlen, die CDO und CDS immer noch als Datenträger der Unterhaltungsindustrie  verkennen, sondern auch jedem interessierten Profi und Laien, der verstehen will, welche Charaktere das augenblicklich zu verkraftende Kredit-Armageddon  ausgelöst haben. Nebenwirkungen der Lektüre dürften zumindest in Form, gemischter Gefühle beim nächsten Kauf strukturierter Wertpapiere zu erwarten sein.

Bewertet mit 4 von 5 Sternen ****
Rezensiert von: Björn Drescher